KWS
   
 

NEU: Vergleich Futtergetreidearten anhand LSV 2011 - 2015

Hybridroggen bietet Potenzial - Eine überraschende Analyse von Ergebnissen der Landessortenversuche

Zur Ernte 2016 haben die Landwirte in Deutschland die Anbaufläche von Roggen reduziert. Mit nur 580.000 ha wurden nochmals knapp 6 % weniger Roggen angebaut als zur Ernte 2015. Horcht man in die Landwirtschaft wird neben dem geringen Marktpreis vor allem das geringere Ertragspotenzial im Vergleich zu den weiteren Wintergetreidearten angeführt. Doch ist dies wirklich so oder werden durch unterschiedliche Standortvoraussetzungen Äpfel mit Birnen verglichen? Langjährige Ergebnisse der Landessortenversuche zeigen, dass Hybridroggen eine unterschätzte Getreideart ist!


Abbildung 1+2: Hybridroggen - das Futtergetreide mit dem höchsten Ertragspotenzial

LSV Fruchtartenvergleich Jahre      LSV Fruchtartenvergleich Regionen


Die Analyse

Als Basis für den Ertragsvergleich der Wintergetreidearten dienen die veröffentlichten Daten der Landessortenversuche der Jahre 2011 bis 2015. Dieses Netz an Versuchen bietet in Deutschland ein breites Fundament von Standorten und Daten. Zur besseren Vergleichbarkeit sind für die einzelnen Gegenüberstellungen nur Ergebnisse von LSV-Standorten herangezogen, an denen die Arten auf vergleichbaren Flächen angebaut wurden. Damit kann das Ertragspotenzial der Fruchtarten direkt miteinander verglichen werden. Die Gleichartigkeit der Prüfflächen wurde anhand von Bodengüte, Vorfrucht und nach Rücksprache mit den jeweiligen Versuchsverantwortlichen festgestellt. Für den Ertragswert der einzelnen Kulturen oder Gruppen sind die Mittelwerte aller geprüften Sorten herangezogen worden. Damit sind Effekte einzelner Sorten ausgeschlossen.


Ertragsvergleich der Futtergetreidearten

Rund zwei Drittel des Wintergetreides, das in Deutschland verbraucht wird, fließt in die Fütterung. Dies gilt auch für den Roggen. Aus diesem Grund hat der Ertragsvergleich von Roggen mit den weiteren Futtergetreidearten eine wesentliche Aussagekraft. Auf insgesamt 71 Standorten über die Jahre 2011 bis 2015 wurden Roggen, Triticale, Gerste sowie B- und C-Weizensorten orthogonal geprüft (Abbildung 1). Entgegen der landläufigen Meinung stellt sich heraus: In vier von fünf Jahren ist Hybridroggen die ertragsstärkste Fruchtart gewesen! Nur 2014 konnte der C-Weizen mit einem leichten Ertragsvorsprung punkten. Deutlich erkennbar ist auch, dass die Gerste im Trockenjahr 2015 durch die frühere Abreife bei der späten Trockenheit und Hitze überdurchschnittlich profitiert hat. In der Abbildung 2 zeigt sich, dass die Ertragsüberlegenheit des Hybridroggens in allen drei Großregionen in Deutschland gegeben ist. Verknüpft man dies mit den eingangs genannten eher rückläufigen Anbauflächen lässt sich schlussfolgern, dass das Ertragspotenzial des Roggens in der Landwirtschaft deutlich unterschätzt wird! Die Gründe für diese Tatsache sind naheliegend. Roggen ist aus Tradition auf den leichtesten Standorten zu Hause. Hier hat sich die Fruchtart durch ihre Ertragsstabilität und Trockentoleranz etabliert. Jedoch erhält sie auf diesen Flächen nicht die Chance das volle Ertragspotenzial auszuschöpfen. Und vor allem in Trockenjahren wie zur Ernte 2015 zählt bei der Wasserversorgung jeder Bodenpunkt.
Seit gut 30 Jahren wird im Roggen mit der Hybridzüchtung gearbeitet. Dadurch ist der Zuchtfortschritt sehr hoch. Dank seiner Blühbiologie als Fremdbefruchter ist der Roggen  besonders gut für die Hybridmethode geeignet, was sich vor allem beim Merkmal Ertrag immer wieder zeigt. Dieser Vorteil ist jedoch durch die erstgenannten Aspekte nahezu im Verborgenen geblieben und verdient es, näher beleuchtet zu werden.

Abbildung 3: Hybridroggen ist der Triticale ertraglich überlegen

LSV Fruchtartenvergleich Roggen und Triticale


Abbildung 4: Stoppelweizen erreicht nicht das Ertragspotenzial von Hybridroggen

LSV Fruchtartenvergleich Roggen und Stoppelweizen


Roggen in die Fruchtfolge?

In der Fruchtfolge sind durch ihre Wirtschaftlichkeit und je nach Region Zuckerrübe, Kartoffel, Raps, Mais oder Weizen als Hauptfrucht gesetzt. Daher stellt sich vor allem die Frage nach der Wahl der abtragenden Fruchtart. Hier lohnt sich die intensivere Betrachtung. Vom reinen Ertragspotenzial liegt der Roggen laut obenstehender Analyse an der Spitze. Einzelbetrieblich bietet sich damit die Chance, Anbauanteile zur breiteren Fruchtfolgegestaltung neu zu überdenken. Diese Erweiterung kann auch aus Gründen des Greenings notwendig sein. Zudem bietet eine größere Diversifizierung der Fruchtarten auch eine Risikostreuung. Erinnern wir uns an den Winter 2011/2012 oder regional auch an den vergangenen: Roggen hat unter den Wintergetreidearten die höchste Winterhärte und reduziert damit den wirtschaftlichen Schaden durch Auswinterung. Zusätzlich kann der Anbau unterschiedlicher Wintergetreidearten die Ernte entzerren. Dabei bringt der Wuchs des Roggens Fluch und Segen zugleich. Durch den höheren Strohanteil wird die Ernte verlangsamt. Andersherum bietet der hohe Strohanfall auch Vorteile, wenn dieses innerbetrieblich oder durch Verkauf genutzt werden kann oder zur Humusmehrung eingesetzt wird. Gerade auf sehr leichten Böden ist die organische Substanz unbedingt zu erhalten.


Ertragsvergleiche im Detail

Durch die ackerbaulichen Vorteile der Gerste und die Wirtschaftlichkeit des Weizenanbaus kristallisieren sich als austauschbare Früchte vor allem zwei Fruchtarten heraus: die Triticale und der Stoppelweizen. Die Gerste ist außen vor, denn trotz ihres tendenziell geringeren Ertragspotenzials hat sie in vielen Fruchtfolgen einen festen Platz. Sie bietet durch frühe Räumung vor allem als Vorfrucht zu Raps Vorteile und liefert Rohfaser für die Fütterung, auch wenn Roggen durch seine Inhaltsstoffe ebenfalls eine sättigende Wirkung hat. Beim Vergleich mit Weizen sind natürlich die Preisdifferenz und die Vermarktung die Hauptargumente, die dem Roggen häufig entgegenstehen.
Roggen und Triticale wurden in den Jahren 2011 bis 2015 auf insgesamt 168 Standorten gemeinsam geprüft. Die Ergebnisse von Hybridroggen und Triticale im Vergleich in der Abbildung 3 zeigen, dass in allen Jahren Hybridroggen mit durchschnittlich 4 % Mehrertrag die Nase vorn hatte. Dies gilt sowohl für Standorte mit einer Ackerzahl unter 40, als auch für die besseren Standorte mit einer Ackerzahl über 40.  Hier wird der stärkere Zuchtfortschritt aus der Hybridzüchtung im Roggen sehr deutlich im Vergleich zur Linienzüchtung in der Triticale. Der Ursprungsgedanke der Triticale, das Ertragspotenzials des Weizens mit den geringen Ansprüchen des Roggens zu kombinieren, ist leider spätestens seit dem starken Gelbrostdruck in den letzten Jahren weitgehend hinfällig. Demgegenüber ist die Anfälligkeit für Blattkrankheiten im Roggen deutlich geringer geworden. Dies zieht natürlich auch geringere Produktionskosten für den Pflanzenschutz nach sich. Diese sind auch durch die hohe Stickstoffeffizienz des Roggens im Kostenblock Stickstoffdüngung geringer als bei der Triticale.
Auch im Vergleich zum Stoppelweizen zeigen sich deutliche Vorteile. Hier kann der Hybridroggen zwischen den Jahren mindestens ertraglich mithalten bis hin zu einem Mehrertrag von 20 % (Abbildung 4). Vor allem in Anbetracht des derzeitigen Standes der neuen Düngeverordnung, bei der Zuschläge in der Stickstoffdüngung für die Stoppelweizen-Produktion nur schwer realisierbar sein werden, wird sich dieser Ertragsvorteil, ohne Berücksichtigung der Proteingehalte, in der Praxis noch verdeutlichen. Auch hier kann der Roggen zusätzlich noch durch die vergleichsweise niedrigen Produktionskosten resultierend aus dem Pflanzenschutzaufwand und der Stickstoffdüngung punkten!
Die geringeren Produktionskosten kommen vor allem bei der innerbetrieblichen Verwertung zum Tragen. Neben der Einsparung von Produktionskosten und damit gerade in wirtschaftlich schwierigen Jahren die Verbesserung der Liquidität aus der Sicht des Ackerbaus, kann hier auch der größte Kostenfaktor in der Tierhaltung reduziert werden: die Futterkosten. Im Futterwert reicht der Roggen häufig an die Triticale heran. Und dies gilt erst recht, wenn man den Ertrag einbezieht und nachrechnet, wie viele Schweine von einem Hektar Hybridroggen oder Triticale ernährt werden können.
Ein weiterer Pluspunkt des Roggens im Vergleich zur Triticale oder zum Stoppelweizen ist seine in der Regel geringere Fusariumanfälligkeit. Damit sinkt zugleich das Risiko von Toxinen im Erntegut. Die Gefahr von Mutterkorn wurde zusätzlich bereits vor 10 Jahren mit Einführung der PollenPlus-Technologie im Hybridroggen spürbar minimiert.


Fazit

In den letzten Jahren wurde viel in die Hybridroggenzüchtung investiert. Trotzdem hält sich die Meinung, dass das Ertragspotenzial nicht mit den weiteren Wintergetreidearten mithalten kann und die Anbauflächen sinken. Ein Vergleich der wichtigen Futtergetreidearten anhand der Landessortenversuche 2011 bis 2015 zeigt deutlich, dass der Hybridroggen im Ertrag unterschätzt wird und unter nahezu allen Bedingungen das höchste Ertragspotenzial besitzt. Auch ackerbauliche Gründe wie die niedrigen Standortansprüche oder Fruchtfolgegestaltung sprechen für eine Ausweitung des Roggenanbaus. Als attraktive Verwertungsmöglichkeit bietet sich durch die niedrigen Produktionskosten die (innerbetriebliche) Nutzung des Roggens in der Fütterung an.


Henrike Garbers im RoggenfeldHenrike Garbers-Sumpf
Produktmanagerin Roggen
KWS LOCHOW GMBH

 

 

 

Artikel downloaden PDF-Symbol.png

 

 
KWS